Lebensmittel sind wertvoll 

Kreislaufwirtschaft

Die Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen: wachsende Weltbevölkerung, Klimawandel, begrenzte Ressourcen und Umweltverschmutzung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, gewinnt das Konzept der Kreislaufwirtschaft immer mehr an Bedeutung.

Vom Feld zum Feld

Kreislaufwirtschaft in der österreichischen Landwirtschaft

Die österreichische Landwirtschaft arbeitet seit jeher nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Nährstoffe, Energie und Ressourcen werden möglichst im Betrieb gehalten und sinnvoll wiederverwendet. Pflanzen dienen als Nahrungsmittel für Mensch und Tier, organische Reststoffe wie Mist, Gülle oder Pflanzenreste werden als natürlicher Dünger wieder auf die Felder zurückgeführt. So entsteht ein geschlossener Kreislauf, der die Bodenfruchtbarkeit erhält und den Einsatz externer Betriebsmittel reduziert.

Durch vielfältige Fruchtfolgen, Grünlandbewirtschaftung, Kompostierung und den hohen Anteil an biologischer Landwirtschaft leistet Österreich einen wichtigen Beitrag zu nachhaltiger Lebensmittelproduktion, Klimaschutz und dem Erhalt der Kulturlandschaft. Kreislaufwirtschaft stärkt regionale Wertschöpfung und sorgt dafür, dass Ressourcen verantwortungsvoll genutzt werden – für heute und kommende Generationen.

Infografik Kreislaufwirtschaft: zeigt landwirtschaftlichen Kreislauf mit Traktor zur bodennahen Ausbringung der Gülle
Die Kreislaufwirtschaft soll helfen, wirtschaftliche Prozesse anzupassen und an die Stoffkreisläufe in der Natur anzugleichen.

Wozu Kreislaufwirtschaft?

Was verursacht der Konsum eines Menschen in Österreich pro Tag durchschnittlich?

 

  • 57 kg nicht-erneuerbare Materialien werden verbraucht.
  • 13 kg nachwachsende Rohstoffe werden verbraucht.
  • 4377 Liter Wasser werden verbraucht.
  • 955 MJ Energie werden verbraucht.
  • 27 kg CO₂ werden ausgestoßen.
  Vom Feld zum Futter – und zurück 

Natürlich im Kreislauf der Landwirtschaft

Die Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft strebt danach, die linearen Produktions- und Konsummuster zu durchbrechen, indem sie Ressourcen effizient nutzt, Abfälle minimiert und geschlossene Kreisläufe schafft. Dieses innovative Modell fokussiert sich auf die Wiederverwendung von Abfallprodukten, die nachhaltige Bewirtschaftung von Böden und die Förderung von Biodiversität. Ziel ist es, die Landwirtschaft nicht nur produktiver, sondern auch umweltfreundlicher und resilienter zu gestalten. Indem natürliche Ressourcen optimal genutzt und Abfallstoffe wieder in den Produktionsprozess eingebunden werden, trägt die Kreislaufwirtschaft maßgeblich zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Agrarwirtschaft bei.

Mist streuen

Das Ausbringen von Mist ist ein zentraler Bestandteil nachhaltiger Landwirtschaft. Mist enthält wertvolle organische Substanz und Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium, die für das Pflanzenwachstum unerlässlich sind. Gleichzeitig verbessert Mist die Bodenstruktur, aktiviert das Bodenleben und fördert die Humusbildung. Durch die Rückführung der Nährstoffe aus der Tierhaltung auf den Acker schließt sich der natürliche Kreislauf zwischen Tier und Pflanze. Statt chemischem Dünger wird so ein regionaler, erneuerbarer Dünger genutzt – ganz im Sinne einer ökologisch sinnvollen Kreislaufwirtschaft.

Silieren

Silieren ist ein Verfahren zur Konservierung von Grünfutter, bei dem durch Luftabschluss und Milchsäuregärung hochwertige Silage entsteht. Die Pflanzenmasse – meist Gras oder Mais – wird gehäckselt, in Silos oder Ballen gepresst und luftdicht verschlossen. So bleibt das Futter nährstoffreich und lange haltbar. Silage ist ein zentraler Bestandteil der Tierernährung und ermöglicht eine gleichmäßige Futterversorgung über das ganze Jahr. Auch hier entsteht ein Kreislauf: Die Tiere verwerten das Futter, und ihre Ausscheidungen dienen wieder als Dünger auf den Feldern.

Getreideernte

Je nach Kultur – ob Weizen, Hafer, Mais oder Sonnenblume – wird im Sommer bis Herbst geerntet. Dabei entstehen nicht nur Nahrungs- und Futtermittel, sondern auch Nebenprodukte wie Stroh oder Spelzen, die weiterverwendet werden können – etwa als Einstreu oder als organischer Dünger. Jede Ernte zeigt den Erfolg des Kreislaufs: Aus Nährstoffen, Licht, Wasser und Boden entstehen neue Produkte. Und mit dem nächsten Vegetationszyklus beginnt der Kreislauf wieder von vorne.

Heuen

Heuen ist eine der ältesten Methoden zur Konservierung von Grünfutter. Dabei wird Gras oder Klee im Frühjahr oder Sommer gemäht und durch Trocknung haltbar gemacht. Heu dient als Grundfutter für Rinder, Schafe, Ziegen und andere Wiederkäuer – vor allem in den Wintermonaten. Die Qualität hängt stark vom Schnittzeitpunkt, der Witterung und der richtigen Lagerung ab. Heuen ist Teil eines natürlichen Kreislaufs: Die Tiere verwerten das getrocknete Grünfutter, und über ihren Dung gelangen Nährstoffe wieder zurück auf die Wiese.

Gülle fahren

Gülle ist ein flüssiger Wirtschaftsdünger, der beim Ausmisten oder in Laufstallhaltungen anfällt. Sie enthält neben Hauptnährstoffen wie Stickstoff auch Spurenelemente und organische Substanz. Das Güllefahren – also das Ausbringen auf den Feldern – erfolgt idealerweise bodennah und zu wachstumsfördernden Zeitpunkten, um Verluste zu vermeiden. Die richtige Ausbringtechnik und ein gutes Timing sind entscheidend, um Umweltbelastungen zu minimieren und die Nährstoffe optimal zu nutzen. So wird Gülle zu einem wertvollen Bestandteil im betrieblichen Nährstoffkreislauf.

Aus Gras wird Milch

Grüne Wiesen mit grasenden Kühen gehören zum typischen Landschaftsbild vieler Regionen. Doch was auf den ersten Blick ganz natürlich wirkt, ist das Ergebnis jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Pflege: Wiesen sind keine ursprünglichen Naturräume, sondern vom Menschen geschaffene Kulturlandschaften, die aktiv erhalten werden müssen – durch regelmäßige Mahd oder Beweidung. Ohne diese Pflege würden sie verbuschen oder von Wald überwachsen.

Kühe spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie fressen Gras, das zu einem großen Teil aus Zellulose besteht – einem Stoff, den der Mensch nicht verdauen kann. Kühe hingegen haben ein ausgeklügeltes Verdauungssystem mit mehreren Mägen, in dem Milliarden von Mikroorganismen die Zellulose in verwertbare Energie umwandeln. Aus dieser Energie sowie dem im Gras enthaltenen Eiweiß bildet die Kuh in ihrem Euter Milch – ein hochwertiges Nahrungsmittel mit leicht verfügbarem Protein, Fett, Vitaminen und Mineralstoffen.

So entsteht aus einem scheinbar einfachen Rohstoff wie Gras ein wertvolles Lebensmittel. Und gleichzeitig helfen Kühe, die Artenvielfalt der Wiesen zu erhalten – denn durch ihre Beweidung verhindern sie, dass seltene Pflanzenarten verschwinden.

Was hat der Stickstoffkreislauf mit Protein zu tun?

Stickstoff ist die Voraussetzung für die Bildung von pflanzlichem und tierischem Protein und befindet sich in einem ständigen Kreislauf.

 

 

 

Grundsätze der Kreislaufwirtschaft

Insgesamt gibt es zehn "R-Grundsätze", die darauf abzielen, den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu schaffen und Ressourcen zu schonen.

 

Was sind planetare Grenzen?

Das Konzept der planetaren Grenzen geht von der Endlichkeit von natürlichen Ressourcen und der Regenerationsfähigkeit des Planeten aus. 

Schon das Überschreiten einzelner Grenzen kann enorm negative Auswirkungen haben. Das österreichische Verbrauchsniveau geht weit über für unsere Umwelt verträgliche Grenzen hinaus. 

 

Vor allem der hohe CO2-Fußabdruck und der Eintrag von Phosphor und Stickstoff überschreiten die definierten Belastungsgrenzen. 

Auch unser Material-Fußabdruck sowie unser ökologischer Fußabdruck übersteigen die Belastungsgrenzen unserer Erde. 

Traktor auf Wiese mit Gülleanhänger streut Gülle

Planetare Grenzen sind wissenschaftliche Leitplanken, die aufzeigen, wie die Erde genutzt werden kann, ohne ihre lebenswichtigen Systeme zu überlasten. Die Erde kann als großes, komplexes Haus betrachtet werden. Um dieses Haus stabil und gesund zu erhalten, müssen bestimmte Regeln befolgt werden. Die planetaren Grenzen fungieren als solche Regeln.

Es gibt neun planetare Grenzen:

  1. Klimawandel: Der Ausstoß von Treibhausgasen muss begrenzt werden, um eine übermäßige Erwärmung der Erde zu verhindern.
  2. Verlust der Biodiversität: Der Verlust von Pflanzen- und Tierarten muss minimiert werden.
  3. Landnutzungsänderungen: Die Umwandlung von Natur in Ackerland oder Städte sollte eingeschränkt werden.
  4. Süßwassernutzung: Der Verbrauch von sauberem Wasser muss kontrolliert werden.
  5. Stickstoff- und Phosphorkreisläufe: Die Freisetzung von Stickstoff und Phosphor in die Umwelt muss begrenzt werden, um Verschmutzungen zu vermeiden.
  6. Ozeanversauerung: Die Versauerung der Ozeane durch die Aufnahme von Kohlendioxid muss reduziert werden.
  7. Chemische Verschmutzung: Der Einsatz von schädlichen Chemikalien, die in die Umwelt gelangen, muss kontrolliert werden.
  8. Aerosolbelastung: Die Belastung der Luft mit feinen Partikeln sollte minimiert werden, um Klima- und Gesundheitsprobleme zu vermeiden.
  9. Ozonabbau: Substanzen, die die Ozonschicht zerstören, sollten vermieden werden.

Die Einhaltung dieser Grenzen trägt dazu bei, die Erde auch für zukünftige Generationen als sicheren und lebenswerten Ort zu bewahren. Ein Überschreiten dieser Grenzen kann das Gleichgewicht der Erde und somit auch die menschliche Zukunft gefährden.

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft

Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft

"Durch die Rückführung von Nährstoffen in den Boden und die Wiederverwertung von Nebenprodukten können Felder nachhaltig bewirtschaftet und die Umwelt geschont werden. So wird nicht nur unsere eigene Zukunft, sondern auch die unserer Kinder und Enkelkinder gesichert."

Wertvoller Kompost

Kompost ist ein wertvoller Dünger!
Kompost ist humusreich und entsteht aus Verrottung von organischen Abfällen. Um guten Kompost zu gewinnen, ist allerdings einiges zu beachten.

Der richtige Platz

Schattig und windgeschützt und mit Kontakt zur Erde - nur so kommen Regenwürmer und andere Bodenbewohner in den Haufen. 

Die unterste Schicht

Den Untergrund auflockern und grobes Material etwa 10-20 cm hoch als unterste Schicht aufbringen.

Das Substrat

Vielfältig, abwechslungsreich und gut zerkleinert sollten die Abfälle sein, die den Komposthaufen wachsen lassen. Fleisch, Knochen und gekochte Essensreste haben nichts darin verloren. 

Luft tut gut

Kompost durch grobes Material und genügend Öffnungen durchlüften. 

Impfen

Mit fertigem Kompost, Gartenerde oder Kompostwürmern kann man den Komposthaufen impfen.

Feucht halten

Der Komposthaufen sollte feucht, aber nicht nass sein. Fühlt sich das Substrat wie ein ausgedrückter schwamman, ist es genau richtig.

Umsetzen bitte

Durch das Umsetzen wird die Durchmischung und die Durchlüftung verbessert. 

Was darf rein in den Kompost?

Ja bitte!

Küchenabfälle, Schnittgut, Laub, Stroh und Heu, Kaffesatz

 

Nein danke!

Fleisch, Fisch, gekochte Küchenabfälle, Milchprodukte, von krankheiten befallene Pflanzenteile

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