Ernährungswissen  

Biografie der Lebensmittel

Der Weg des Weizens

Vor der Saat wird der Boden bearbeitet. Er wird gelockert, um den Weizenpflanzen eine gute Wurzelentwicklung zu ermöglichen. Die Wurzeln brauchen nämlich nicht nur Wasser und Nährstoffe, sondern auch Luft, um gut wachsen zu können. Außerdem werden mit der Bodenbearbeitung unerwünschte Un- und Beikräuter beseitigt und mit Krankheiten befallene Ernterückstände der Vorfrucht (Kultur die am Vorjahr am Feld stand) entfernt, damit diese die Weizenpflanze nicht infizieren können.

Bei der Saat werden 200-300 Weizenkörner pro Quadratmeter in einem Zeitraum von Anfang Oktober bis Mitte November gesät. Der genaue Saattermin ist von vielen Variablen wie Bodenfeuchtigkeit, Region oder Niederschlagsereignissen abhängig. Bei der Saat wird das Weizenkorn in circa drei Zentimeter Tiefe abgelegt und mit Erde bedeckt. Anschließend keimt das Saatgut und bildet bis zum Winter noch einige Blätter und auch teilweise Nebentriebe.

Um dem Weizen optimale Wachstumsbedingungen zu verschaffen, müssen Arten entfernt werden, die für den Weizen Konkurrenten um Wasser und Nährstoffe sind. Das passiert im Biolandbau mittels mechanischer Unkrautbekämpfung mit dem Striegel. In der integrierten Landwirtschaft hingegen können selektive Herbizide eingesetzt werden, die nur die unerwünschten Pflanzen bekämpfen, ohne dem Weizen zu schaden. Beim Striegeln muss die Sonne die ausgerissenen Unkräuter trocknen und damit vernichten. Herbizide hingegen greifen direkt in den Stoffwechsel der unerwünschten Pflanzen ein und vernichten den unerwünschten Bewuchs direkt. Bei Einsatz von Herbiziden reicht meist eine Überfahrt aus, bei der mechanischen Unkrautbekämpfung sind mehrere Arbeitsdurchgänge nötig.

Die Winterformen der Getreidearten können die Winterfeuchtigkeit besser nutzen und haben einen Wachstumsvorsprung gegenüber den sogenannten Sommerungen. Sie brauchen aber auch einen sogenannten Kältereiz, um Samen zu bilden. Wird Winterweizen im Frühling angebaut, bildet er keine Körner.

Um optimal zu wachsen, benötigt der Weizen eine gute Nährstoffversorgung. Um eine optimale Versorgung und damit gute Erträge zu gewährleisten, muss der Weizen gedüngt werden. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: werden Nutztiere am Betrieb gehalten, können organische Düngemittel wie Mist oder Gülle eingesetzt werden. In der integrierten Landwirtschaft gibt es, die Möglichkeit Mineraldünger einzusetzen. Damit der Weizen genug Stickstoff bekommt, der für Ertrag und Proteingehalt wichtig ist, müssen wir ihn zur richtigen Zeit düngen. Mit einer Tonne Weizen produziert man ungefähr 125 kg Eiweiß. Dafür benötigt man 22 kg Stickstoff. Der hohe Nährstoffbedarf der Weizenpflanzen wird meistens über drei Düngergaben im Frühjahr gedeckt.

Es gibt eine Vielzahl von Pilzen, die dem Weizen schaden können und den Ertrag, aber noch wichtiger die Qualität, mindern können. Die Pilze aus der Familie der Fusarien beispielsweise infizieren die Weizenkörner und bilden dabei giftige Toxine, die den Weizen für Menschen und Tiere ungenießbar machen. Außerdem können Insekten die Weizenpflanze schädigen. Im integrierten Pflanzenbau gibt es die Möglichkeit, diese Schädlinge mit Pflanzenschutzmaßnahmen einzudämmen. Dabei wird streng nach dem „Schadschwellenprinzip“ vorgegangen und nur behandelt, wenn es notwendig ist. Ein Beispiel ist eine verregnete Weizenblüte: Pflanzenschutz sorgt dafür, dass das Erntegut frei von Schadstoffen ist.

Ab einer Feuchtigkeit von unter 15 Prozent kann der Weizen gedroschen werden, weil er dann lagerfähig ist. Wird der Weizen zu diesem Zeitpunkt noch einmal feucht, kann er auswachsen, das heißt, er keimt schon in der Ähre wieder und wächst. Das senkt seine Qualität. Wichtig bei der Ernte ist eine gute Einstellung des Mähdreschers. Er muss die Körner möglichst gut ausdreschen, sie aber nicht beschädigen. Dafür benötigt es Erfahrung und Können. Die Körner werden dann in das Lager gebracht, gereinigt und nachgetrocknet und sind dann bereit für den Transport zu einer Mühle und die Weiterverarbeitung.

Als Nebenprodukt des Weizens fällt das Stroh an, das nach der Ernte lose oder gepresst ab-transportiert wird. Das abgeerntete Feld wird bearbeitet, um vorhandene Unkräuter oder ihre Samen zu beseitigen und um für nachfolgende Frucht wieder optimale Bedingungen zu schaffen.