Sprossen

Keimsprossen und Grünkraut – Von der Fensterbank in den Mund!

Mini-Gemüse – sensationelle Farben, variantenreicher Geschmack

Gerade im Winter ist die Sehnsucht nach frischem, knackigem Grün groß. Man muss keinen extra grünen Daumen haben, um diese Vitalstoff-Kraftpakete zu kultivieren. Die Anzucht von Sprossen und Grünkraut ist denkbar einfach und auf kleinstem Raum möglich.

Essbare Keimpflanzen bieten eine interessante Palette an unterschiedlichen Geschmacksrichtungen von süß bis scharf oder von leicht bitter bis würzig-frisch. Großartig für Auge und Gaumen sind auch die vielfältigen Farbtöne (unterschiedlichste Grüntöne bis hin zu lila oder rot). Die kleinen Energiebündel sind ideal für winterliches Gärtnern auf der Fensterbank. Besonders Kinder lieben diese schnelle, einfache und von Erfolg gekrönte Methode des Gärtnerns.

Für die kleinen grünen Kraftpakete gibt es eine Vielzahl an Bezeichnungen wie Keimsprossen, Sprossen, Keimlinge, Grünkraut, Grünsprossen, Microgreens usw.

Im allgemeinen Sprachgebrauch spricht man bei Pflanzen aus der Keimbox bzw. aus dem Keimglas meist von Keimsprossen, Sprossen oder Keimlingen. Verwendet wird die ganze Pflanze inkl. Wurzeln. Diese Keimsprossen-Sämlinge werden komplett, das heißt mit gekeimtem Samenkorn, Stängel und Blatt sowie vorhandenen Wurzeln, verzehrt. Unter Grünkräutern – auch Microgreens genannt – versteht man die grüne Jungpflanze, d.h. Stängel inkl. der bereits gebildeten Blättchen. Grünkraut wird auf einer Unterlage wie z.B. Erde, Vlies, Küchenkrepp, Watte etc. kultiviert. Geerntet werden hier nur die oberirdischen Teile (Stängel und Blätter). Der bekannteste Grünkrautvertreter ist Kresse.

Fertige Sprossen können im Kühlschrank 2 bis maximal 3 Tage in gut verschlossenen Behältern aufbewahrt werden. Durch die Kälte wird ein weiteres Wachstum weitgehend gestoppt. Vor der Verwendung unbedingt wieder gründlich spülen.

Sauberes, hygienisches Arbeiten ist gerade bei der Sprossen- und Keimlingskultur sehr wichtig, um Keimbelastungen zu vermeiden. Sprossen neigen bei unsachgemäßer Pflege dazu, relativ rasch zu „gammeln“.

Mögliche Fehlerquellen sind: Zu hohe Raumtemperatur (ideale Temperatur liegt bei 18 bis 22 °C), Staunässe im Keimgerät oder Glas, minderwertige und oder beschädigte Samen, zu viele Samen im Gefäß, unregelmäßiges Spülen oder unsaubere Gefäße. Sollte es trotzdem passiert sein, dass die Keimlinge modrig-muffig riechen und evtl. sogar eine braune, bläuliche bis schwarze Verfärbung aufweisen, unbedingt entsorgen!

Hinweis: Einige Samen bilden pelzig-flaumige Faserwurzeln, diese sehen ähnlich wie Schimmel aus, sie sind aber völlig unbedenklich. Besonders Alfalfa, Radieschen und Rettich bilden gerne solche Faserwurzeln. Bei Unsicherheit einfach daran riechen! Schimmel riecht modrig, Faserwurzeln je nach Sorte frisch oder sogar scharf!

Welche Anbaumethoden gibt es?

Diese Keimgeräte bestehen meist aus drei Schalen, welche am Boden geriffelt bzw. gelocht sind, damit das Wasser abfließen kann und sich die Wurzeln sozusagen festhalten können. Unten gibt es eine Auffangschale für überschüssiges Wasser. Zusätzlich gibt es auch einen Deckel, damit die Sprossen vor direktem Licht geschützt sind. Zuerst werden die Samen eingeweicht. Je nach Art und Größe dauert das 4 bis 12 Stunden. Bei kleinen Samen reicht eine Einweichzeit von 4 bis 6 Stunden. Größere Samen wie z.B. Bohnen werden am besten über Nacht eingeweicht. Nach der Einweichzeit werden die Samen gleichmäßig in den Abtropfschalen verteilt. Achtung! Samen locker verteilen – sie nehmen stark an Volumen zu und brauchen zum gesunden Wachsen ausreichend Luft und Platz. Pro Schale rechnet man 1 bis 1,5 EL Samen. Nun wird täglich mindestens zweimal mit frischem, handwarmem Wasser gespült. Je nach Sprossenart kann man schon nach einigen Tagen ernten. Dazwischen einfach immer wieder kosten, wann die Sprossen am besten schmecken. Durch Überkeimung können manche Keimlinge bitter werden z.B. Bockshornklee. Achtung: Alfalfa (Luzerne) darf z.B. erst nach 7 Tagen geerntet werden. Grund ist der Phytingehalt (natürlicher Fraßschutz) – mit fortgeschrittenem Wachstum wird dieser jedoch abgebaut.

Diese Methode eignet sich gut, wenn man größere Mengen Sprossen ziehen möchte. Im Fachhandel gibt es professionelle Sprossengläser mit gelochtem Metall- oder Plastikdeckel. Einsteiger können sich aber auch ganz einfach selbst ein Glas für die Sprossenzucht basteln. Möglichkeit 1: Der Schraubverschluss eines Gurkenglases wird gelocht (z.B. mit Nagel) – Nachteil ist, dass der Deckel bei mehrmaligem Gebrauch leicht rostet. Möglichkeit 2: Als Siebersatz wird über die Öffnung eines Gurkenglases Gazestoff, Fliegengitter, Gardinenstoff oder Nylonstrümpfe gespannt und mit einem Gummiring fixiert. Auch hier werden die Samen wie in der Keimbox vorher eingeweicht. Nach der Einweichzeit werden auch diese wieder täglich mindestens zweimal gespült. Nach jedem Spülen das Glas schräg auf den Kopf stellen, damit das Wasser gut abfließen kann. Sprossen mögen keine direkte Sonneneinstrahlung.

Grünkraut ist gerade für Einsteiger die wohl einfachste und unkomplizierteste Anbaumethode. Grünkraut kann man entweder auf keimfreier Erde (Anzuchterde, Maulwurfserde) oder auf Watte, Küchenkrepp bzw. anderen Materialien, welche Wasser aufsaugen, kultivieren. Als Gefäße eignen sich flache Schalen, Teller, ausgediente Tassen oder Einwegverpackungen. Zum Kresseanbau legt man z.B. eine flache Schale doppellagig mit Küchenkrepp oder einer dünnen Schicht Watte aus. Die Unterlage wird gut befeuchtet und gleichmäßig mit Kressesamen bestreut. Der Anbau auf Erde hat den Vorteil, dass die Pflänzchen zusätzlich Energie aus der Erde aufnehmen können und länger und kräftiger wachsen. Weiters ist bei Anzucht auf Erde der Geschmack meist intensiver und durch die Aufnahme der wertvollen Nährstoffe aus der Erde auch der Gehalt an Nährstoffen in der Pflanze höher. Beim Anbau auf Erde füllt man in ein flaches Gefäß ca. 2 bis 3 cm Erde ein. Nun wird die Erde befeuchtet und gleichmäßig mit Samen bestreut. Bei größeren Samen ist es empfehlenswert, diese noch mit einer dünnen Erdschicht zu bedecken. Wichtig: Gerade in den ersten Tagen darauf achten, dass die Erde gut befeuchtet ist und nicht austrocknet (evtl. mit Folie abdecken). Wichtig ist auch hierbei, dass sich keine Staunässe bildet. Zur Grünkrautzucht eignen sich zum Beispiel Radieschen, Rucola, Leinsamen, Senf etc. Auch die Anzucht von Getreidegras z.B. aus Gerste, Weizen, Dinkel etc. erfolgt problemlos mit dieser Methode. Geerntet wird je nach Samenart nach ca. 2 Wochen. Allerdings kann man die meisten Grünkräuter ruhig länger wachsen lassen. Im Gegensatz zu Sprossen mag Grünkraut direktes Sonnenlicht.

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